Jahresarchiv für 2014

 
 

Die Äußerlichkeit des Zufalls

[...] es heißt entdecken, dass an der Wurzel dessen, was wir erkennen und was wir sind, nicht die Wahrheit liegt und auch nicht das Sein, sondern die Äußerlichkeit des Zufalls.
(Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie, Dits et Ecrits II, Nr. 84, S. 172)

Mehr mit weniger

Es ist ganz wichtig, dass ein Teil von Österrich (Vorarlberg) solche Projekte in Angriff nimmt. In der Aufgabenbeschreibung heißt es: Wir besitzen immer mehr Dinge aber haben immer weniger Zeit, sie zu genie?en. Unser Ressourcenverbrauch steigt, aber die Zufriedenheit mit unserem Leben sinkt. Ist das ein Zufall? Wir zahlen offensichtlich einen hohen Preis für unseren Lebensstil. Steigende Rohstoff- und Energiepreise lassen uns erahnen, wie verletzlich wir durch unsere Gewohnheiten und hoch geschraubten Ansprüche geworden sind. Tief im Inneren wissen wir, dass es so auf Dauer nicht weiter gehen wird. Es ist an der Zeit, dass wir uns von scheinbaren Bequemlichkeiten verabschieden und ein einfacheres, am Wesentlichen orientierteres Leben mit weniger Abhängigkeiten und mehr Freizeit leben.
kairos.or.at – Diese Firma hat sich also dem Kairosgedanken verschrieben …

Abwarten?

Es gibt Situationen, in denen die einzig »praktikable« Lösung darin besteht, der Versuchung zu widerstehen, sich unmittelbar zu engagieren, und im Sinne einer gelassenen, kritischen Analyse »abzuwarten«.

Slavoj Žižek: Gewalt. Sechs abseitige Reflexionen, Leika, 2011, S.14

Ist dir der Augenblick genug?

Ich zitiere:
Es ist paradox und doch alltäglich. Das einzige, was du wirklich mit Leben fühlen kannst ist der Augenblick, und dennoch sind viele mit ihren Gedanken nicht im Augenblick, sondern in der Vergangenheit oder in der Zukunft.
Es scheint fast so, als dass es eine Art Flucht vor dem Augenblick gibt. Wir lenken uns und unsere Gedanken vom Augenblick weg. Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auch weg von uns selbst. Wir beschäftigen uns mit anderen Personen, anderen Dingen.
Dir ist der Augenblick, das einzige was du wirklich erleben kannst, nicht genug! Damit bist du dir selbst nicht gut genug. Du flüchtest vor dir selbst.
Mehr von Thomas Rehehäuser in seinem Blog GeDankeN

Die Gelegenheiten wahrnehmen

Ja, ich hatte Glück mit meinen Lehrern. Aber ich habe auch das, was sie mir gaben, annehmen können. Insofern war es auch meine Leistung. Vielleicht kann man das aus Hillas Geschichte lernen: Anzunehmen, was einem möglich gemacht wird; die dargereichte Hand auch zu ergreifen; die sich im Leben einstellenden Gelegenheiten wahrzunehmen, im rechten Moment. Lebensgeschichte ist immer auch eine Begegnung mit Kairos, dem griechischen Gott des glücklichen Augenblicks.
Ulla Hahn, DER SPIEGEL 39/2009