Jahresarchiv für 2019

 
 

Die Suche nach den Leerstellen der Kunst

Kairos ist der griechische Gott für den richtigen Moment einer Entscheidung. Die europäische Kunstgeschichte besteht aus unzähligen Entscheidungen, die zusammen bestimmen, welche Kunstwerke wir sehen – und welche nicht. Die Ausstellung „KAIROS. Der richtige Moment“ wirft einen Blick auf das Ungesehene in der Kunst, vergessene Werke und solche, die nie entstanden sind. Dazu vereint die Ausstellung Arbeiten des italienischen Fotografen Mauro Fiorese und des deutschen Malers Wolfgang Beltracchi.
Mauro Fiorese besuchte für seine Serie „Treasure Rooms“ die Depots bedeutender europäischer Museen. Die dort verborgenen Schätze nehmen keinen exponierten Platz in der Kunstgeschichte ein. Ihr Moment, um gezeigt, besprochen und verehrt zu werden, scheint verstrichen. In Fioreses Fotografien kehren sie nun in die Ausstellung zurück. – Für „KAIROS. Der richtige Moment“ malte Wolfgang Beltracchi bedeutende historische Ereignisse, die uns aus heutiger Sicht in der Kunstgeschichte fehlen. Ihr Moment, um von einem großen Maler der vergangenen 2.000 Jahre festgehalten zu werden, ist verstrichen. In Beltracchis Gemälden sind diese Motive nun in den Handschriften der Meister ihrer Zeit entstanden.
Kunstforum Wien | kairos-exhibition.art

Traktat über das Menschsein

… dass unser Dasein von Gefühlen bestimmt wird, ist nichts Neues. Aber dass Lebensgefühle sich wandeln und wir trotzdem dieselben bleiben, ist ein richtiges Paradox. Das erfahre ich an mir selbst, habe es mir aber bisher nie so klar gemacht. Das zeigt, wie unfertig wir Menschen sind, doch das ist kein Manko, sondern unsere Chance und unsere Stärke. Woher diese Stärke kommt, ist schwer zu sagen. [...] In diesem lebensphilosophischen Sinne spendet das Buch auch in schwierigen Situationen Trost, allerdings nicht durch billiges Schönreden, sondern durch Aufdecken von bisher unterdrückten Gefühlen. Das ist der Königsweg, auf dem man zur Erkenntnis seiner selbst gelangt.

Markus Schröder (Kundenrezension) zu Ferdinand Fellmann: Lebensgefühle: Wie es ist, ein Mensch zu sein. Meiner, Blaue Reihe, 2018

Der Lebensphilosoph

Ich bin Lebensphilosoph. Philosophieren war mein Beruf, ist aber auch mein Leben. Ich verstehe Philosophie als permanentes Bemühen, die Wirklichkeiten, in denen wir leben, aufzudecken. Dies erfordert genaue Beobachtung des Menschen sowie Klärung der Schlüsselbegriffe unserer Lebenswelt. Dabei bemühe ich mich, die Denkformen der Klassiker an gegenwärtige Fragestellungen anzuschließen und so die Kluft zwischen Metaphysik und Fachwissenschaften zu schließen.
Ferdinand Fellmann, em. Professor für Philosophie (auf seiner Homepage)