Der Augenblick ist jenes Zweideutige,
darin Zeit und Ewigkeit
einander berühren.
Søren Kierkegaard

Kairos (καιρός)

Anfangs - ungeordnet ...

Wie, von wem, wo - wird der Begriff Kairos erklärt?

  • Christoph Lange, Kassel, 1999
    Alles hat seine Zeit

  • Hans-Georg Gadamer: CD: Von der Lust am Dialog. CD 2: Ein Diskurs über die Gunst des Augenblicks und das weise Maß (1989).
    Die Doppel-CD ist zu bekommen über den Verlag: Auditorium Netzwerk oder über Amazon.

  • Der blaue Reiter: No Future!- Die Philosophie des Augenblicks (Ausgabe 31, Dezember 2011)

Kairos und Chronos

Im alten Griechenland gibt es zu diesen Begriffen eine längere Entwicklung. Dort hatte man zwei unterschiedliche Begriffe für "Zeit": Chronos und Kairos. Unter "Chronos" verstand man jene Zeit, die permanent vergeht, die Chronologie, den Ablauf, das, was wir auch heute noch mit dem Begriff "Zeit" verbinden. "Kairos" hingegen meinte die Gunst der Stunde, den besonderen, entscheidenden, kritischen Augenblick, eine Art imaginäre Zeit, einen Sprung. Kann ein derartiger Qualitätssprung nur von einigen Menschen vollzogen werden? Ich meine, in irgendeiner Form kennt das jeder!

Kairos-Relief in Trogir

Und: Kairos (καιρός) ist in der griechischen Mythologie der Gott der günstigen Gelegenheit und des rechten Augenblicks. Kairos gilt als jüngster Sohn des Zeus und wurde in Olympia kultisch verehrt. Er wird in der griechischen Kunst mit einem kahlen Hinterkopf und einem längeren Haarschopf vorn an der Stirn dargestellt. An seinen Füßen hat er Flügel und es sieht aus, als ob er schnell wie der Wind auf Zehenspitzen läuft. Sie kennen sicher das Sprichwort: Die Gelegenheit beim Schopf packen. Dieses Sprichwort hat vielleicht seinen Ursprung in der Haarlocke des kleinen Gottes.
Und wenn die Gelegenheit vorbei ist und man hat sie nicht gepackt, dann greift man ins Leere, oder eben dem Gott Kairos an den kahl geschorenen Hinterkopf. Dass einmalige Gelegenheiten schnell vorbeigehen, das wissen alle, die schon einmal den richtigen Zeitpunkt verpasst haben, beruflich oder privat.

Den Gott, der uns manchmal so in Beschlag nimmt, dass wir die richtigen und wichtigen Gelegenheiten verpassen, nannten die Griechen Chronos: Der Gott mit der Sanduhr, die das Vergehen der Zeit anzeigt. Wer nach Chronos lebt, wer also nach der Uhr, dem Chronometer lebt, der hat nie Zeit, der ist immer gestresst und ärgert sich gerne darüber. Wer allerdings nach Kairos lebt, der hat die Zeit und nimmt sich die Zeit, um den richtigen Zeitpunkt zu erwarten und - auch im richtigen Moment zuzugreifen.

Bekannt ist auch der psychologische Begriff: Kairophobie - die Situationsangst, die Angst, Entscheidungen zu fällen.

Bemerkungen dazu
 

Ist die Rede vom *Kairos* verstummt?  

Diese besonderen Momente in einem Leben gibt es doch. Jeder erlebt sie.
Die philosophische Sicht ist interessant. Wie bedeutend ist der Kairos für das Menschsein?

Augenblick, verweile: Dossier im Philosophie Magazin, Nr. 5, 2016

  

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.11.2016

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