Ich gehöre dem Augenblick

(c) Irmengard Schöpf
Menschenbilder: ?1~298797

(c) Irmengard Schöpf
Menschenbilder: ?1~298797
Das ist die Sehnsucht: Wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: Leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.
Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die Einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.
Rainer Maria Rilke
Der VEREIN ZUR VERZ?GERUNG DER ZEIT – ist auch ein künstlerischer und humorvoller Verein!
Künstlerische Zeit-Objekte, humorvolle und auf witzige Weise aufrüttelnde Zeit-Aktionen sind das Gewürz in der interdisziplinären “Zeit-Suppe”, mit dem auch wir im Verein das für viele Menschen scheinbar so trockene Thema würzen. Hier wird oft sinnlich fassbar, was wir sonst mit vielen Worten zu erklären versuchen.
Wir nehmen uns viel ZEIT für den Humor, schlie?lich: Wer keine Zeit hat, hat nichts zu lachen – und zum Genie?en kommt er erst recht nicht!
Wie sagte doch unser Sympathisant Elias Canetti:
“Wenn das Telefon nicht klingelt – ist es für mich!”
Die Quelle, eine Erfindung aus Wasser und hellblau.
Christian Ludwig Attersee
Welche Überschrift soll deine Autobiographie tragen?
Keine. Also ich werde hoffentlich – hoffentlich nie eine Autobiographie schreiben. Das ist immer Imagepflege.
Autobiographien halte ich für völlig uninteressant.
(Arno Geiger)
Sind sie selbst auch Stoiker?
Seneca fasziniert mich wegen seiner sprachlichen Brillanz. Wenn man die antiken Glückslehren kennt, dann haben sie schon eine hohe Plausibilität. Das Plausibelste ist immer der Autarkie-Begriff. Eine gewisse innere Unabhängigkeit ist Glück. Sich nicht zu sehr an Dinge hängen und auch damit rechnen, dass Dinge, die einem ganz wichtig und teuer sind, unter Umständen gefährdet sind, zum Beispiel die Familie, ein gewisses inneres Wappnen gegen Unglücksfälle. Das nennen die Stoiker “praemeditatio malorum” – vorausdenken, dass es auch einmal schlechter sein könnte. Das ist aber sehr schwierig, denn wenn man es zu sehr tut, dann verdüstert es das gegenwärtige Glück.
(Karlheinz Töchterle, Der Standard, 21. Juni 2011)
Gedichte können so viel aussagen …
Es hätte geschehen können.
Es hat geschehen müssen.
Es war schon früher geschehen. Später.
Näher. Ferner.
Es ist nicht dir geschehen.
Du überlebtest, denn du bist der erste gewesen.
Du überlebtest, denn du bist der letzte gewesen.
Weil selbst. Weil die andern.
Weil nach links. Weil nach rechts.
Weil Regen fiel. Weil Schatten fielen.
Weil die Sonne schien.
Zum Glück gab’s den Wald.
Zum Glück keine Bäume.
Zum Glück das Gleis, den Haken, den Balken, die Bremse,
die Nische, die Kurve, den Millimeter, eine Sekunde.
Zum Glück schwamm ein Strohhalm im Wasser.
Infolge, deswegen, dennoch, trotzdem.
Was wär’, wenn die Hand, das Bein,
einen Schritt, eines Haares Breite
vom Zufall.
Du bist also da? Stracks aus dem eben noch durchlässigen Moment?
Das Netz hatte eine Masche, und du durch diese Masche?
Ich kann nicht genug darüber staunen und schweigen.
Höre,
wie schnell mir dein Herz schlägt.
‘Alle Fälle’ von Wislawa Szymborska
‘Glück’ heisst beim Mathematiker ‘Varianz’ und ist eine auf Kommazahlen genau berechenbare Grösse. Trotzdem glauben die Menschen an ihr Glück und an ihr Schicksal. Der Mathematiker und Bestsellerautor Rudolf Taschner hat sich viel mit der Frage beschäftigt, warum wir zufällige Ereignisse auf uns persönlich beziehen und dahinter eine schicksalhafte Lenkung vermuten.
(aus einer Sendung am Mo 14. 2. 2011)