Archiv der Kategorie ‘Alles und jedes‘

 
 

Was ist die Zeit?

Die Frage, was die Zeit ist, kann von der Philosophie – trotz eines  Jahrtausende alten subtilen Nachdenkens – nicht (zumindest nicht einheitlich) beantwortet werden.

Das steht in: Gemessene Zeit – gefühlte Zeit: Tendenzen der Beschleunigung, Verlangsamung und subjektiven Zeitempfindens
Herausgegeben von Hartmut Heller, 2006


Carpe diem

Tu ne quaesieris, scire nefas, quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios
temptaris numeros. ut melius, quidquid erit, pati.
seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum: sapias, vina liques, et spatio brevi
spem longam reseces. dum loquimur, fugerit invida
aetas: carpe diem quam minimum credula postero.

Horaz: Carpe diem
Hor.c.1,11: An Leuconoe
Quintus Horatius Flaccus geb. 65 v. Chr.
In vielen Gedichten vertrat Horaz die Lehren des Epikureismus.
Übersetzung: Karl Lahmer, Salzburg

Frage nicht, Leuconoe, den Zeitpunkt des Endes, den die Götter für mich, für dich vorgesehen haben, wissen zu wollen, ist Unrecht.
Versuche es auch nicht bei Astrologen und sonstigen Kartenlegern. Besser ist es doch hinzunehmen, was kommt! Ob dir Jupiter noch mehrere Winter an Lebenszeit zuteilt oder diesen als letzten (…)
Benütze deinen Verstand: Kläre den Wein und beschränke weit reichende Visionen auf ein überschaubares Maß. Während wir sprechen, ist die neidische Zeit schon wieder ein Stück weiter. Nütze diesen Tag und vertraue dem folgenden möglichst wenig.

Was es heißt, ein Mensch zu sein

Das Leben besteht zum größten Teil aus Zufällen. Wenn wir ihnen begegnen, ist unsere Fähigkeit gefragt, in der entstandenen Situation bewusste Entscheidungen zu treffen.
[...] Die Möglichkeit, sich entscheiden zu können, was man aus seinem Leben machen will, ist ein großes Privileg. Für die allermeisten Menschen auf der Erde geht es nur darum zu überleben, und das auf einem dramatisch niedrigen Niveau.

Henning Mankell, Treibsand, S. 130

Die Vernunft ist ja eine Krankheit

Das Spielerische gehört sicher zum Anthropologischen. Die Besessenheit auf die Vernunft ist ja eine Krankheit, auch eine der Philosophen. Die Vernunft ist nicht zuletzt deswegen ein so gro?es Thema, weil sie fehlt. Das zeigt die Weltgeschichte gerade jetzt: Da gewinnt man nicht den Eindruck, dass vieles so läuft, wie es uns die Vernunft, nach der wir seit 2000 Jahren suchen, erzählen würde. Im Grunde kommt alles, was wir tun, aus einer tiefen, relativ experimentellen Seinslage. Versuch und Spiel sind eigentlich der Normalfall des Menschen.

Ursula Pia Jauch, Philosophin (im “Der Standard” vom 24. Oktober 2015)

Die Äußerlichkeit des Zufalls

[...] es heißt entdecken, dass an der Wurzel dessen, was wir erkennen und was wir sind, nicht die Wahrheit liegt und auch nicht das Sein, sondern die Äußerlichkeit des Zufalls.
(Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie, Dits et Ecrits II, Nr. 84, S. 172)

Mehr mit weniger

Es ist ganz wichtig, dass ein Teil von Österreich (Vorarlberg) solche Projekte in Angriff nimmt. In der Aufgabenbeschreibung heißt es: Wir besitzen immer mehr Dinge aber haben immer weniger Zeit, sie zu genießen. Unser Ressourcenverbrauch steigt, aber die Zufriedenheit mit unserem Leben sinkt. Ist das ein Zufall? Wir zahlen offensichtlich einen hohen Preis für unseren Lebensstil. Steigende Rohstoff- und Energiepreise lassen uns erahnen, wie verletzlich wir durch unsere Gewohnheiten und hoch geschraubten Ansprüche geworden sind. Tief im Inneren wissen wir, dass es so auf Dauer nicht weiter gehen wird. Es ist an der Zeit, dass wir uns von scheinbaren Bequemlichkeiten verabschieden und ein einfacheres, am Wesentlichen orientierteres Leben mit weniger Abhängigkeiten und mehr Freizeit leben.
kairos.or.at – Diese Firma hat sich also dem Kairosgedanken verschrieben …

Was Spinoza lehrte!

Goethe sagt, dass Spinoza ihn lehrte, seinen Geist vom Einfluss anderer zu befreien, seine eigenen Gefühle und seine eigenen Schlüsse zu finden und dann danach zu handeln. – Mit anderen Worten: Lass deine Liebe fließen und lass sie nicht von der Vorstellung der Liebe, die du vielleicht zurückbekommst, beeinflussen.

Aus: Irvin D. Yalom: Das Spinoza-Problem, 2013, S. 63

Der wirkliche Regisseur

Der wirkliche Regisseur unseres Lebens ist der Zufall – ein Regisseur voll der Grausamkeit, der Barmherzigkeit und des bestrickenden Charmes.

(Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon, S. 109)