Es ist Krieg, aber dem Frühling ist es egal

Es ist Krieg, aber dem Frühling ist es egal.

Es wird immer Frühling. ­ Immer. Mit Krokussen, die dort wachsen, wo es ihnen gefällt, eigenwillig absichtslos. Mit Gesichtern, die bei 12 Grad mit dem Auftauen beginnen, denen die Wintermonatsmaske wegschmilzt, ausgeliefert, kurzzeitig sorglos.

Der Frühling ist zurück und der Zustand der Welt ist ihm egal, selbst der Krieg kümmert ihn nicht, Frühling wird immer, schön und rücksichtslos.

Der Frühling ist so verlässlich schön, dass es weh tut, seine Luft ist so süß, dass es schmerzt. Wie kann er nur?

Jemand stirbt im Frühling, jemand schreit im Frühling, dann sagt trotzdem jemand im Frühling: „aber die Sonne tut echt gut“, und das ist wahr. Die Tage werden wieder länger, ob du sie nun fürchtest oder nicht. Der Frühling hat kein Gewissen. Ein Mensch hingegen hat ein schlechtes, und er muss das ertragen, heute, gestern, neulich, erneut.

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