Mehr mit weniger

Es ist ganz wichtig, dass ein Teil von Österreich (Vorarlberg) solche Projekte in Angriff nimmt. In der Aufgabenbeschreibung heißt es: Wir besitzen immer mehr Dinge aber haben immer weniger Zeit, sie zu genießen. Unser Ressourcenverbrauch steigt, aber die Zufriedenheit mit unserem Leben sinkt. Ist das ein Zufall? Wir zahlen offensichtlich einen hohen Preis für unseren Lebensstil. Steigende Rohstoff- und Energiepreise lassen uns erahnen, wie verletzlich wir durch unsere Gewohnheiten und hoch geschraubten Ansprüche geworden sind. Tief im Inneren wissen wir, dass es so auf Dauer nicht weiter gehen wird. Es ist an der Zeit, dass wir uns von scheinbaren Bequemlichkeiten verabschieden und ein einfacheres, am Wesentlichen orientierteres Leben mit weniger Abhängigkeiten und mehr Freizeit leben.
kairos.or.at – Diese Firma hat sich also dem Kairosgedanken verschrieben …

Abwarten?

Es gibt Situationen, in denen die einzig »praktikable« Lösung darin besteht, der Versuchung zu widerstehen, sich unmittelbar zu engagieren, und im Sinne einer gelassenen, kritischen Analyse »abzuwarten«.

Slavoj Žižek: Gewalt. Sechs abseitige Reflexionen, Leika, 2011, S.14

Ist dir der Augenblick genug?

Ich zitiere:
Es ist paradox und doch alltäglich. Das einzige, was du wirklich mit Leben fühlen kannst ist der Augenblick, und dennoch sind viele mit ihren Gedanken nicht im Augenblick, sondern in der Vergangenheit oder in der Zukunft.
Es scheint fast so, als dass es eine Art Flucht vor dem Augenblick gibt. Wir lenken uns und unsere Gedanken vom Augenblick weg. Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auch weg von uns selbst. Wir beschäftigen uns mit anderen Personen, anderen Dingen.
Dir ist der Augenblick, das einzige was du wirklich erleben kannst, nicht genug! Damit bist du dir selbst nicht gut genug. Du flüchtest vor dir selbst.
Mehr von Thomas Rehehäuser in seinem Blog GeDankeN

Die Gelegenheiten wahrnehmen

Ja, ich hatte Glück mit meinen Lehrern. Aber ich habe auch das, was sie mir gaben, annehmen können. Insofern war es auch meine Leistung. Vielleicht kann man das aus Hillas Geschichte lernen: Anzunehmen, was einem möglich gemacht wird; die dargereichte Hand auch zu ergreifen; die sich im Leben einstellenden Gelegenheiten wahrzunehmen, im rechten Moment. Lebensgeschichte ist immer auch eine Begegnung mit Kairos, dem griechischen Gott des glücklichen Augenblicks.
Ulla Hahn, DER SPIEGEL 39/2009

Was Spinoza lehrte!

Goethe sagt, dass Spinoza ihn lehrte, seinen Geist vom Einfluss anderer zu befreien, seine eigenen Gefühle und seine eigenen Schlüsse zu finden und dann danach zu handeln. – Mit anderen Worten: Lass deine Liebe fließen und lass sie nicht von der Vorstellung der Liebe, die du vielleicht zurückbekommst, beeinflussen.

Aus: Irvin D. Yalom: Das Spinoza-Problem, 2013, S. 63

Kairos – ein kritischer Moment

Kairos: Etymologische Wurzeln

Kerkhoff erläutert plausibel, dass das Wort “kairos” etymologisch der Sprache des Webens entstammt. Einigkeit herrscht darüber, dass “kairos” ursprünglich die dreieckige Öffnung meinte, die beim Weben entsteht, wenn die Kettfäden gehoben bzw. gesenkt werden, um den Schlussfaden oder Einschlag hindurchzulassen. Kerkhoff führt weiter aus, dass diese “dann zu der Vorstellung der entscheidenden, kurzen Öffnung in der Zeit geführt haben, von der her allein, als dem günstigsten Moment, das Ziel (einer Aktion) getroffen werden kann.”

Daniel Wulf: Kairos – ein kritischer Moment im Lehr-Lernprozess, 2009 (ISBN 9 978-3-640-48194-1)

Auf der Schwelle des Augenblicks

Bei dem kleinsten aber und bei dem größten Glücke ist immer eins, wodurch Glück zum Glücke wird: Das Vergessenkönnen oder, gelehrter ausgedrückt, das Vermögen, während seiner Dauer unhistorisch zu empfinden. Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, niederlassen kann, wer nicht auf einem Punkte wie eine Siegesgöttin ohne Schwindel und Furcht zu stehen vermag, der wird nie wissen, was Glück ist.

Friedrich Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen II, 1

Aufrecht gehen – aufrichtig sein

Kurt Bayertz hat mit seinem Buch vom ‘Aufrechten Gang‘ auf heitere Weise daran erinnert, dass das ‘aufrichtig Sein’ auch im frühen 21. Jahrhundert weiterhin keine Tatsache ist, sondern ein philosophisches Postulat, eine Kunst und eine schöpferische Aufgabe für alle Erdenbürger.  (Ursula Pia Jauch, Jurymitglied für den Tractatus 2013).
Siehe auch: philosophicum.com